DAP, DDP, EXW & FCA: Unterschiede einfach erklärt

DAP, DDP, EXW & FCA: Welche Lieferbedingung passt zu Ihrem Versand?

Bei einem internationalen Warenverkauf muss geklärt sein, wer den Transport organisiert, wer das Transportrisiko trägt und wer sich um Ausfuhr und Einfuhr kümmert.

Gerade im B2B Versand und internationalen E Commerce begegnen Unternehmen dabei häufig vier Lieferbedingungen:

DAP, DDP, EXW und FCA.

Sie unterscheiden sich erheblich darin, welche Aufgaben Verkäufer und Käufer übernehmen.

Für die Praxis ist deshalb nicht entscheidend, welche Abkürzung auf der Rechnung am besten aussieht, sondern welcher Versandprozess tatsächlich dahintersteht.

Ein Online Shop, der Ware direkt an einen Privatkunden in den USA liefert, hat beispielsweise völlig andere Anforderungen als ein deutscher Maschinenbauer, dessen chinesischer Kunde die Ware mit einem eigenen Spediteur in Deutschland abholen lässt.

Dieser Ratgeber konzentriert sich deshalb auf die praktische Frage:

Wann ist DAP, DDP, EXW oder FCA sinnvoll?

Eine allgemeine Übersicht über sämtliche Incoterms® Regeln finden Sie in unserem separaten Incoterms Ratgeber.

Mit Paket International können DAP und DDP Versandprozesse sowie internationale Versand und Zollinformationen zentral abgebildet werden.

Internationale Versandkosten berechnen

DAP, DDP, EXW und FCA im direkten Vergleich

Die wichtigste praktische Unterscheidung lässt sich so zusammenfassen:

LieferbedingungHaupttransport organisiertAusfuhrzollEinfuhrzollEinfuhrabgaben
EXWKäuferKäuferKäuferKäufer
FCAKäuferVerkäuferKäuferKäufer
DAPVerkäuferVerkäuferKäuferKäufer
DDPVerkäuferVerkäuferVerkäuferVerkäufer

Damit bilden die vier Lieferbedingungen sehr unterschiedliche Verantwortungsstufen ab.

EXW bedeutet sehr wenig Verantwortung für den Verkäufer.

DDP bedeutet dagegen die weitreichendste Verantwortung des Verkäufers.

DAP und FCA liegen dazwischen.

DAP: Verkäufer organisiert den Transport, Käufer übernimmt den Import

DAP steht für:

Delivered At Place

Der Verkäufer organisiert den Transport der Ware bis zu einem vereinbarten Ort im Empfangsland.

Das kann beispielsweise sein:

  • die Geschäftsadresse des Käufers
  • ein Lager
  • eine Baustelle
  • ein Fulfillment Center
  • eine Privatadresse

Der Verkäufer trägt das Risiko grundsätzlich bis zu diesem vereinbarten Bestimmungsort.

Die Ware wird dort auf dem ankommenden Transportmittel zur Entladung bereitgestellt.

Die Importabfertigung gehört dagegen grundsätzlich zum Verantwortungsbereich des Käufers.

Das bedeutet:

Der Verkäufer transportiert die Ware bis zum Ziel, der Empfänger kümmert sich um den Import.

Wer bezahlt Zoll bei DAP?

Bei DAP übernimmt grundsätzlich der Käufer beziehungsweise Empfänger die Importabfertigung.

Damit trägt er insbesondere die entsprechenden:

  • Einfuhrzölle
  • Importsteuern
  • Einfuhrumsatzsteuer beziehungsweise Import VAT
  • gegebenenfalls weitere Einfuhrabgaben

In der praktischen Paketlogistik übernimmt häufig der Versanddienstleister oder ein beauftragter Zollagent die operative Abfertigung.

Die Kosten werden anschließend dem Empfänger berechnet.

Das kann beispielsweise über:

  • E Mail
  • SMS
  • Zahlungslink
  • Rechnung
  • Zahlungsaufforderung vor Zustellung

erfolgen.

Beispiel für DAP

Ein deutscher Maschinenbauer verkauft ein Ersatzteil für 1.500 Euro an ein Unternehmen in der Schweiz.

Der deutsche Verkäufer organisiert den Versand bis zum Werk des Kunden.

Der Schweizer Kunde übernimmt die Einfuhr in die Schweiz und bezahlt die dort entstehenden Importabgaben.

Eine mögliche Vereinbarung wäre beispielsweise:

DAP Zürich, Schweiz, Incoterms® 2020

Für klassische B2B Lieferungen kann das sinnvoll sein, wenn der Käufer Erfahrung mit der Einfuhr besitzt und seine Importkosten selbst verwalten möchte.

Wann ist DAP sinnvoll?

DAP eignet sich besonders, wenn:

  • der Verkäufer den internationalen Transport organisieren soll
  • der Käufer die Einfuhr selbst abwickeln möchte
  • der Empfänger über eine eigene Importstruktur verfügt
  • ein B2B Kunde seine Einfuhrsteuer selbst verbuchen möchte
  • der Verkäufer nicht als Importeur im Zielland auftreten möchte
  • lokale Registrierungsanforderungen gegen DDP sprechen

DAP ist deshalb bei vielen internationalen B2B Lieferungen eine praktikable Lösung.

DAP im Online Shop: Der mögliche Nachteil

Für B2C Sendungen kann DAP dagegen einen erheblichen Nachteil haben.

Der Kunde sieht beim Kauf beispielsweise:

Produkt:

149 Euro

Versand:

25 Euro

Gesamt:

174 Euro

Später erhält er jedoch vom Versanddienstleister eine zusätzliche Zahlungsaufforderung für:

  • Zoll
  • Importsteuer
  • Auslagegebühr
  • weitere Importkosten

Der Kunde hat dadurch beim Checkout nicht unbedingt den tatsächlichen Endpreis gesehen.

Das kann zu:

  • Rückfragen
  • Unzufriedenheit
  • Annahmeverweigerungen
  • Retouren
  • zusätzlichem Supportaufwand

führen.

Deshalb ist für internationale Direct to Consumer Modelle häufig eine DDP Lösung interessanter.

Mehr dazu erfahren Sie auf unserer Seite Einfuhrabgaben im Checkout berechnen.

DDP: Verkäufer übernimmt auch die Importabwicklung

DDP steht für:

Delivered Duty Paid

DDP geht deutlich weiter als DAP.

Der Verkäufer organisiert nicht nur den Transport bis zum vereinbarten Zielort, sondern übernimmt grundsätzlich auch die Importabfertigung und die damit verbundenen Abgaben.

Vereinfacht:

DAP: Käufer übernimmt den Import

DDP: Verkäufer übernimmt den Import

DDP ist unter den Incoterms® Regeln die Lieferbedingung mit den umfangreichsten Verpflichtungen für den Verkäufer.

Wer bezahlt Zoll bei DDP?

Bei DDP trägt grundsätzlich der Verkäufer die Kosten der Importabwicklung.

Dazu können gehören:

  • Zoll
  • Import VAT
  • Einfuhrumsatzsteuer
  • weitere Einfuhrabgaben
  • Kosten der Importabfertigung

Für den Empfänger bedeutet ein sauber aufgebauter DDP Prozess:

Die vereinbarten Importkosten werden vom Versender übernommen.

Das ist insbesondere für internationale Online Shops attraktiv.

Beispiel für DDP

Ein deutscher Online Händler verkauft eine Ware an einen Privatkunden in Kanada.

Der Kunde bezahlt bereits beim Checkout:

Warenwert:

180 Euro

Versand:

25 Euro

Einfuhrabgaben:

35 Euro

Gesamtkosten:

240 Euro

Der Händler organisiert anschließend den Versand und die vereinbarte Importabwicklung.

Der Kunde soll bei der Zustellung keine unerwartete zusätzliche Zollforderung erhalten.

Genau hier liegt einer der wichtigsten Vorteile von DDP im E Commerce.

Mit Paket International lassen sich Versandkosten und Einfuhrabgaben bereits im Checkout kalkulieren.

Wann ist DDP sinnvoll?

DDP kann besonders sinnvoll sein für:

  • internationale Online Shops
  • Direct to Consumer Versand
  • Premium Kundenservice
  • internationale Marken
  • Unternehmen mit transparenten Endpreisen
  • Händler mit regelmäßigem Versand in bestimmte Zielmärkte
  • Prozesse, bei denen der Empfänger keine eigene Importabwicklung durchführen soll

Besonders bei Privatkunden erwartet der Käufer häufig einen möglichst einfachen Ablauf.

Eine zusätzliche Zollrechnung nach dem Kauf passt nur schlecht zu diesem Anspruch.

DDP ist nicht einfach „DAP plus Zoll bezahlen“

Dieser Punkt ist besonders wichtig.

DDP bedeutet nicht lediglich:

„Wir bezahlen die Zollrechnung für unseren Kunden.“

Der Verkäufer übernimmt grundsätzlich auch die Verantwortung für die Importabwicklung.

Abhängig vom Zielland können dadurch zusätzliche Anforderungen entstehen.

Beispielsweise:

  • lokale Importregistrierung
  • EORI Nummer
  • steuerliche Registrierung
  • VAT Registrierung
  • Importer of Record
  • Zollvertretung
  • lokale Importgenehmigungen

Deshalb sollte DDP vor allem bei neuen Zielländern zollrechtlich und steuerlich geprüft werden.

Nicht in jedem Land kann ein ausländischer Verkäufer problemlos selbst als Importeur auftreten.

DDP und garantierte Gesamtkosten

Für Unternehmen ist deshalb besonders interessant, mögliche Importkosten bereits vor Versand zu kennen.

Paket International ermöglicht die Kalkulation von:

  • Transportkosten
  • Zöllen
  • Steuern
  • weiteren relevanten Einfuhrkosten

Für entsprechende Kundenmodelle können diese Kosten bereits vor Versand transparent dargestellt werden.

Mehr dazu erfahren Sie unter garantierte Gesamtkosten beim internationalen Versand.

Versand und Einfuhrabgaben berechnen

EXW: Käufer übernimmt fast den gesamten Versandprozess

EXW steht für:

Ex Works

auf Deutsch häufig:

Ab Werk

Bei EXW stellt der Verkäufer die Ware am vereinbarten Ort zur Verfügung.

Das kann beispielsweise sein:

  • Werk
  • Lager
  • Produktionsstandort

Ab diesem Punkt übernimmt der Käufer weitgehend den weiteren Prozess.

Dazu gehören grundsätzlich:

  • Abholung
  • Haupttransport
  • Transportrisiko
  • Ausfuhrformalitäten
  • Importformalitäten
  • Zoll und Einfuhrabgaben

Auch das Verladen auf das Abholfahrzeug gehört bei der reinen EXW Regel grundsätzlich nicht zur Lieferpflicht des Verkäufers.

Beispiel für EXW

Ein deutscher Hersteller verkauft eine Maschine an ein Unternehmen in Südkorea.

Der koreanische Käufer beauftragt einen eigenen internationalen Spediteur.

Die Maschine wird im Werk des deutschen Herstellers zur Abholung bereitgestellt.

Vereinbart wird beispielsweise:

EXW Leipzig, Deutschland, Incoterms® 2020

Der Käufer organisiert:

  • Abholung
  • Export
  • Haupttransport
  • Import in Südkorea

Für den deutschen Verkäufer scheint das zunächst sehr komfortabel.

In der Praxis kann EXW bei internationalen Exporten jedoch problematischer sein, als es auf den ersten Blick wirkt.

Warum EXW beim internationalen Export schwierig sein kann

Unternehmen wählen EXW häufig mit dem Gedanken:

„Der Kunde holt die Ware ab, danach haben wir nichts mehr damit zu tun.“

Zollrechtlich ist die Situation jedoch komplizierter.

Bei EXW liegt die Verpflichtung zur Ausfuhrabfertigung nach den Incoterms® Regeln grundsätzlich beim Käufer.

Der Käufer sitzt jedoch möglicherweise:

  • in China
  • in den USA
  • in Korea
  • in der Schweiz
  • in Großbritannien

und muss eine Ausfuhr aus der Europäischen Union organisieren.

Das kann praktische Schwierigkeiten verursachen.

Der Verkäufer benötigt außerdem häufig einen Nachweis darüber, dass die Ware die EU tatsächlich verlassen hat.

Dieser Nachweis kann beispielsweise für umsatzsteuerliche Zwecke wichtig sein.

Genau deshalb weist auch die International Chamber of Commerce darauf hin, dass EXW vor allem für den Inlandshandel geeignet sein kann und FCA bei grenzüberschreitenden Exporten häufig die sinnvollere Alternative darstellt.

EXW und die Verladung

Ein weiterer häufiger Irrtum:

„EXW bedeutet, dass der Verkäufer den LKW belädt.“

Nach der eigentlichen EXW Regel muss der Verkäufer die Ware lediglich am vereinbarten Ort zur Verfügung stellen.

Die Verpflichtung zur Verladung auf das Abholfahrzeug liegt grundsätzlich nicht beim Verkäufer.

In der betrieblichen Realität wird die Ware allerdings häufig trotzdem durch Mitarbeiter des Verkäufers verladen.

Dadurch kann eine unangenehme Frage entstehen:

Wer trägt das Risiko, wenn die Ware während dieser Verladung beschädigt wird?

Genau diese Situation lässt sich mit FCA häufig sauberer lösen.

FCA: Häufig die bessere Alternative zu EXW

FCA steht für:

Free Carrier

Bei FCA organisiert der Käufer ebenfalls grundsätzlich den Haupttransport.

Im Unterschied zu EXW übernimmt der Verkäufer jedoch die Ausfuhrabfertigung.

Damit passt FCA oft besser zu tatsächlichen internationalen Exportprozessen.

Vereinfacht:

EXW: Käufer übernimmt auch die Ausfuhr

FCA: Verkäufer übernimmt die Ausfuhr

Der Käufer organisiert anschließend den Haupttransport und die Einfuhr.

Beispiel für FCA

Ein deutscher Maschinenbauer verkauft eine Anlage an einen Kunden in den USA.

Der US Kunde möchte seinen eigenen Spediteur einsetzen.

Der Spediteur holt die Ware beim deutschen Hersteller ab.

Vereinbart wird:

FCA Werk Leipzig, Deutschland, Incoterms® 2020

Der Verkäufer:

  • bereitet die Ware vor
  • führt die erforderliche Ausfuhrabfertigung durch
  • verlässt sich nicht darauf, dass ein ausländischer Käufer die EU Ausfuhr organisiert
  • übergibt die Ware an den vom Käufer beauftragten Transporteur

Der Käufer organisiert anschließend:

  • Haupttransport
  • Transport ab Übergabepunkt
  • Einfuhr in die USA
  • Einfuhrabgaben

Für viele B2B Exporte ist das deutlich klarer als EXW.

FCA am Werk des Verkäufers

Wird als FCA Übergabeort das Gelände des Verkäufers vereinbart, erfolgt die Übergabe grundsätzlich, nachdem die Ware auf das vom Käufer bereitgestellte Transportmittel verladen wurde.

Damit unterscheidet sich FCA deutlich von EXW.

EXW am Verkäuferstandort

Ware wird zur Verfügung gestellt.

Verladung ist grundsätzlich Sache des Käufers.

FCA am Verkäuferstandort

Verkäufer lädt die Ware auf das vom Käufer organisierte Transportmittel.

An diesem Punkt erfolgt die Übergabe und grundsätzlich auch der Gefahrenübergang.

FCA an einem anderen Übergabeort

FCA kann auch an einem anderen Ort vereinbart werden.

Beispielsweise:

FCA Flughafen Frankfurt

oder:

FCA Logistikterminal Leipzig

In diesem Fall bringt der Verkäufer die Ware zum vereinbarten Übergabeort.

Die Übergabe erfolgt dort grundsätzlich, wenn die Ware auf dem Transportmittel des Verkäufers am vereinbarten Ort angekommen und dem vom Käufer benannten Transporteur zur Verfügung gestellt ist.

Der genaue Übergabepunkt sollte deshalb möglichst präzise vereinbart werden.

EXW oder FCA: Was ist für Exporte besser?

Für einen echten internationalen Export ist FCA häufig die praktisch sauberere Lösung.

FrageEXWFCA
Käufer organisiert HaupttransportJaJa
Verkäufer führt Ausfuhr durchNeinJa
Käufer führt Ausfuhr durchJaNein
Verkäufer lädt bei Abholung im eigenen Werkgrundsätzlich neinja
Geeignet für internationalen Exportmöglich, aber häufig unpraktischhäufig besser geeignet
Käufer übernimmt ImportJaJa

Wenn der Kunde also seinen eigenen Spediteur einsetzen möchte, bedeutet das nicht automatisch, dass EXW verwendet werden sollte.

In vielen Fällen ist FCA die passendere Lieferbedingung.

DAP oder FCA: Der entscheidende Unterschied

DAP und FCA unterscheiden sich vor allem darin, wer den Haupttransport organisiert.

FCA

Der Käufer organisiert den internationalen Haupttransport.

DAP

Der Verkäufer organisiert den internationalen Transport bis zum Bestimmungsort.

Beispiel:

Ein deutscher Hersteller verkauft eine Maschine an ein Unternehmen in der Schweiz.

Variante FCA

Der Schweizer Käufer beauftragt seinen eigenen Spediteur und holt die Maschine beim deutschen Hersteller ab.

Variante DAP

Der deutsche Hersteller organisiert den Versand bis zum Werk des Schweizer Käufers.

Die Importabfertigung übernimmt in beiden Fällen grundsätzlich der Käufer.

DAP oder DDP: Der entscheidende Unterschied

Bei DAP und DDP organisiert dagegen in beiden Fällen der Verkäufer den Haupttransport.

Der Unterschied liegt vor allem beim Import.

DAP

Importabfertigung: Käufer

Einfuhrabgaben: Käufer

DDP

Importabfertigung: Verkäufer

Einfuhrabgaben: Verkäufer

Für internationale E Commerce Prozesse ist diese Entscheidung besonders relevant.

EXW oder DAP

Bei EXW und DAP befindet sich die Verantwortung für den Transport nahezu an entgegengesetzten Enden.

EXW

Der Käufer organisiert den Transport ab dem vereinbarten Abholort.

DAP

Der Verkäufer organisiert den Transport bis zum vereinbarten Zielort.

Beispiel:

Ein Kunde in Kanada kauft eine Maschine bei einem deutschen Hersteller.

EXW

Der kanadische Kunde organisiert die Abholung in Deutschland und den gesamten Transport.

DAP

Der deutsche Verkäufer organisiert den Versand bis zum Kunden nach Kanada. Der kanadische Kunde übernimmt die Einfuhr.

FCA oder DDP

Auch diese Varianten unterscheiden sich deutlich.

FCA

Käufer organisiert den Haupttransport und die Einfuhr.

Verkäufer übernimmt die Ausfuhr.

DDP

Verkäufer organisiert praktisch den gesamten Transport und übernimmt zusätzlich die Importabfertigung.

Dadurch liegen Kostenkontrolle und Verantwortung in völlig unterschiedlichen Händen.

Welche Lieferbedingung eignet sich für B2B?

Im B2B Versand gibt es keine pauschal beste Lösung.

FCA kann sinnvoll sein, wenn

  • der Käufer einen eigenen Spediteur besitzt
  • der Käufer günstige Frachtraten hat
  • der Käufer globale Transporte zentral organisiert
  • der Verkäufer die deutsche Ausfuhr sauber kontrollieren möchte

DAP kann sinnvoll sein, wenn

  • der Verkäufer den Transport organisieren soll
  • der Käufer seine Einfuhr selbst übernimmt
  • der Kunde im Zielland erfahren im Import ist

DDP kann sinnvoll sein, wenn

  • der Verkäufer ein vollständiges Door to Door Konzept anbieten möchte
  • Importkosten kalkulierbar sind
  • die notwendige Importstruktur im Zielland vorhanden ist

EXW kann sinnvoll sein, wenn

  • tatsächlich eine reine Bereitstellung der Ware gewünscht ist
  • die Zoll und Exportkonstellation dafür geeignet ist
  • insbesondere ein nationaler oder klar strukturierter Abholprozess vorliegt

Bei Drittlandsexporten sollte jedoch geprüft werden, ob FCA nicht die praktisch bessere Alternative ist.

Welche Lieferbedingung eignet sich für E Commerce?

Für internationale B2C Shops sind vor allem DAP und DDP relevant.

DAP im E Commerce

Der Kunde übernimmt mögliche Einfuhrabgaben.

Vorteil:

Der Händler muss die Importkosten nicht vollständig übernehmen.

Nachteil:

Der Kunde kann nach dem Kauf eine zusätzliche Zahlungsaufforderung erhalten.

DDP im E Commerce

Der Händler übernimmt die vereinbarten Importkosten.

Vorteil:

Der Kunde kann bereits vor dem Kauf einen wesentlich transparenteren Endpreis erhalten.

Nachteil:

Der Händler muss die Import und Steuerprozesse sauber organisieren.

Für viele internationale Direct to Consumer Geschäftsmodelle kann deshalb DDP die bessere Customer Experience bieten.

Paket International ermöglicht es, Versandkosten, Zölle und Einfuhrabgaben bereits in den Checkout zu integrieren.

Wer erstellt die Exportdokumente?

Die Lieferbedingung beeinflusst auch, wer für Zollformalitäten verantwortlich ist.

EXW

Die Ausfuhrabfertigung liegt grundsätzlich beim Käufer.

FCA

Die Ausfuhrabfertigung liegt beim Verkäufer.

DAP

Die Ausfuhrabfertigung liegt beim Verkäufer.

DDP

Die Ausfuhr und Importabfertigung liegt grundsätzlich beim Verkäufer.

Für Exporte aus Deutschland können unter anderem folgende Unterlagen relevant sein:

  • Handelsrechnung
  • Proforma Rechnung
  • Ausfuhranmeldung
  • ABD
  • MRN
  • Ursprungsnachweise
  • weitere Genehmigungen

Mehr dazu erfahren Sie unter Exportdokumente für den internationalen Versand.

DAP, DDP, EXW und FCA ändern nicht die Exportkontrollpflichten

Ein wichtiger Punkt wird häufig übersehen:

Incoterms® Regeln verteilen bestimmte Aufgaben, Kosten und Risiken zwischen Käufer und Verkäufer.

Sie entscheiden aber nicht darüber, ob eine Ware überhaupt exportiert werden darf.

Auch bei EXW kann ein deutscher Verkäufer nicht einfach eine genehmigungspflichtige Ware bereitstellen und davon ausgehen, sämtliche exportkontrollrechtlichen Pflichten seien damit auf den ausländischen Käufer übertragen.

Exportkontrolle, Sanktionen, Dual Use Vorschriften und Genehmigungspflichten müssen unabhängig von der vereinbarten Lieferbedingung geprüft werden.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Ratgeber zur Exportkontrolle.

Incoterms® regeln nicht den Eigentumsübergang

Ebenfalls wichtig:

DAP, DDP, EXW und FCA bestimmen nicht automatisch, wann das Eigentum an einer Ware übergeht.

Incoterms® regeln insbesondere:

  • Lieferung
  • Kostenverteilung
  • Gefahrübergang
  • Transportpflichten
  • Zollformalitäten

Der Eigentumsübergang muss dagegen im Kaufvertrag beziehungsweise nach dem anwendbaren Recht geregelt werden.

Auch Zahlungsbedingungen werden durch die Incoterms® nicht vollständig bestimmt.

Der benannte Ort ist entscheidend

Eine Angabe wie:

DAP Incoterms® 2020

ist unvollständig.

Ebenso:

FCA Incoterms® 2020

Entscheidend ist der konkrete Ort beziehungsweise Übergabepunkt.

Besser sind beispielsweise:

DAP Musterstraße 10, 8000 Zürich, Schweiz, Incoterms® 2020

oder:

FCA Werk Leipzig, Tor 3, Incoterms® 2020

Je genauer der Ort definiert ist, desto klarer ist, wo:

  • Lieferung erfolgt
  • Gefahr übergeht
  • Kosten wechseln
  • Verantwortlichkeiten wechseln

Typische Fehler bei DAP, DDP, EXW und FCA

DAP mit DDP verwechseln

Der Verkäufer übernimmt bei DAP nicht automatisch die Importabgaben.

DDP anbieten, ohne Importeur sein zu können

Nicht jedes Zielland erlaubt einem ausländischen Verkäufer problemlos die notwendige Importstruktur.

EXW wählen, obwohl der Verkäufer die Ausfuhr tatsächlich organisiert

Wenn der Verkäufer ohnehin Exportabfertigung und Verladung übernimmt, passt FCA möglicherweise besser.

EXW für jeden internationalen Abholauftrag verwenden

Eine Abholung durch den Spediteur des Kunden bedeutet nicht automatisch, dass EXW die richtige Regel ist.

FCA ohne konkreten Übergabeort

Der Gefahrenübergang kann dadurch unnötig unklar werden.

Incoterm nur auf die Rechnung schreiben

Die Lieferbedingung sollte bereits im Kaufvertrag beziehungsweise Angebot eindeutig vereinbart sein.

Nur die Abkürzung verwenden

Nicht nur:

DAP

sondern beispielsweise:

DAP Zürich, Schweiz, Incoterms® 2020

Eigentumsübergang mit Gefahrübergang verwechseln

Das Transportrisiko und das rechtliche Eigentum sind zwei unterschiedliche Fragen.

Entscheidungshilfe: Welche Lieferbedingung passt?

Der Käufer soll die Ware abholen und auch die Ausfuhr organisieren

EXW kann infrage kommen.

Bei grenzüberschreitenden Exporten sollte jedoch geprüft werden, ob FCA praktischer ist.

Der Käufer organisiert den Transport, Sie möchten aber die Ausfuhr aus Deutschland selbst kontrollieren

FCA

Das ist für viele B2B Exporte mit kundeneigenem Spediteur eine sehr gute Lösung.

Sie möchten den Transport bis zum Kunden organisieren, aber der Kunde übernimmt die Einfuhr

DAP

Besonders geeignet für B2B Empfänger mit eigener Importstruktur.

Sie möchten Transport und Importkosten für den Kunden übernehmen

DDP

Besonders interessant für transparente internationale B2C und E Commerce Prozesse, sofern die Importstruktur im Zielland geklärt ist.

Praktische Beispiele

Deutscher Maschinenbauer verkauft nach USA

Der amerikanische Kunde möchte seinen eigenen Spediteur einsetzen.

Der deutsche Hersteller soll die Ausfuhr abwickeln.

Häufig sinnvoll: FCA

Deutscher Händler verkauft an Schweizer Unternehmen

Der Händler organisiert den Paketversand.

Das Schweizer Unternehmen übernimmt Import und Einfuhrsteuer.

Häufig sinnvoll: DAP

Deutscher Online Shop verkauft an Privatkunden in Kanada

Der Kunde soll bereits im Checkout alle relevanten Kosten sehen und keine zusätzliche Zollforderung erhalten.

DDP kann sinnvoll sein

Ausländischer Käufer holt Ware beim deutschen Lieferanten ab

Der Käufer möchte nahezu den gesamten Versand selbst organisieren.

EXW kann infrage kommen

Bei einem echten Drittlandsexport sollte jedoch geprüft werden, ob FCA wegen der Ausfuhrabfertigung die bessere Variante ist.

DAP und DDP mit Paket International

Mit Paket International können internationale Versand und Zollprozesse zentral miteinander verbunden werden.

Abhängig vom Versandmodell können Unternehmen unter anderem:

  • internationale Versandkosten vergleichen
  • DAP Prozesse abbilden
  • DDP Prozesse abbilden
  • Zolltarifnummern übernehmen
  • Warenursprung verwalten
  • Einfuhrabgaben kalkulieren
  • Handels und Proforma Rechnungen erstellen
  • Exportdokumente erstellen
  • Versandlabel erzeugen
  • Tracking zentral verwalten
  • Shops und ERP Systeme anbinden

Besonders für internationale Online Shops können mögliche Zoll und Importkosten bereits während des Bestellprozesses berücksichtigt werden.

Mehr dazu unter Einfuhrabgaben im Checkout berechnen.

Internationalen Versand berechnen

Checkliste vor der Wahl zwischen DAP, DDP, EXW und FCA

Bevor Sie eine Lieferbedingung vereinbaren, sollten Sie folgende Fragen beantworten:

1. Wer organisiert den Haupttransport?

Verkäufer oder Käufer?

2. Wer soll die Ausfuhrabfertigung durchführen?

Gerade bei Exporten aus Deutschland ist dies bei EXW und FCA ein entscheidender Unterschied.

3. Wer übernimmt die Importabfertigung?

Soll sich der Empfänger darum kümmern oder der Verkäufer?

4. Wer bezahlt Einfuhrabgaben?

Sollen Zoll und Importsteuern beim Kunden entstehen oder bereits durch den Versender übernommen werden?

5. Hat der Empfänger Erfahrung mit Importen?

Ein internationaler Industriekunde kann DAP problemlos abwickeln, während ein Privatkunde damit möglicherweise überfordert ist.

6. Kann der Verkäufer im Zielland überhaupt importieren?

Vor DDP müssen lokale Import und Steueranforderungen geprüft werden.

7. Wer möchte den Transportdienstleister auswählen?

Soll der Käufer seine eigenen Frachtraten nutzen, sprechen FCA oder EXW eher dafür.

8. Wo soll das Transportrisiko übergehen?

Der Übergabeort sollte möglichst genau definiert werden.

9. Welche Customer Experience wird erwartet?

Im B2C Versand können unerwartete Importkosten problematisch sein.

10. Sind die Zollprozesse technisch abbildbar?

Bei regelmäßigem Versand sollten Waren, Zoll und Bestelldaten möglichst automatisiert verarbeitet werden.

Häufige Fragen zu DAP, DDP, EXW und FCA

Was ist der wichtigste Unterschied zwischen DAP und DDP?

Bei beiden Lieferbedingungen organisiert der Verkäufer grundsätzlich den Transport bis zum vereinbarten Bestimmungsort. Bei DAP übernimmt der Käufer die Importabfertigung und Einfuhrabgaben. Bei DDP übernimmt diese grundsätzlich der Verkäufer.

Wer bezahlt Zoll bei DAP?

Grundsätzlich der Käufer beziehungsweise Empfänger.

Wer bezahlt Zoll bei DDP?

Grundsätzlich der Verkäufer.

Was ist der Unterschied zwischen EXW und FCA?

Bei EXW übernimmt grundsätzlich der Käufer die Ausfuhrabfertigung. Bei FCA übernimmt der Verkäufer die Ausfuhrabfertigung und übergibt die Ware an den vom Käufer benannten Transporteur.

Ist FCA besser als EXW?

Nicht grundsätzlich. Bei internationalen Exporten ist FCA jedoch häufig praktischer, weil der Verkäufer die Ausfuhrabfertigung übernimmt. Die ICC weist ausdrücklich auf mögliche Schwierigkeiten von EXW bei Exportgeschäften hin.

Wer organisiert bei FCA den Transport?

Der Käufer organisiert grundsätzlich den Haupttransport.

Wer organisiert bei DAP den Transport?

Der Verkäufer organisiert den Transport bis zum vereinbarten Bestimmungsort.

Muss der Verkäufer bei EXW den LKW beladen?

Nach der reinen EXW Regel ist der Verkäufer grundsätzlich nicht verpflichtet, die Ware auf das Abholfahrzeug zu verladen.

Muss der Verkäufer bei FCA verladen?

Wird FCA am Betriebsgelände des Verkäufers vereinbart, erfolgt die Lieferung grundsätzlich mit Verladung auf das vom Käufer bereitgestellte Transportmittel.

Ist DDP für Online Shops sinnvoll?

DDP kann insbesondere bei internationalen B2C Bestellungen sinnvoll sein, weil Einfuhrkosten bereits vor der Zustellung berücksichtigt werden können. Vorher müssen jedoch die Import und Steueranforderungen des Ziellandes geklärt werden.

Ist DAP für B2B sinnvoll?

Ja. DAP kann für Geschäftskunden besonders geeignet sein, wenn der Verkäufer den Transport organisiert und der Empfänger über eine eigene Importstruktur verfügt.

Ist EXW für Export geeignet?

EXW kann verwendet werden, ist bei grenzüberschreitenden Exporten jedoch häufig weniger praktisch. Insbesondere die Ausfuhrabfertigung durch einen ausländischen Käufer kann Schwierigkeiten verursachen. FCA kann dann eine bessere Alternative sein.

Bedeutet DDP automatisch, dass keine weiteren Kosten entstehen?

DDP weist die Importpflichten grundsätzlich dem Verkäufer zu. In der praktischen Umsetzung muss jedoch sichergestellt werden, dass sämtliche relevanten Kosten korrekt kalkuliert und die lokalen Importanforderungen erfüllt werden.

Paket International bietet für entsprechende Modelle garantierte Gesamtkosten und eine integrierte Berechnung von Einfuhrabgaben.

Regeln Incoterms® den Eigentumsübergang?

Nein. Incoterms® regeln insbesondere Lieferung, Kosten, Risiko, Transport und bestimmte Zollpflichten. Der rechtliche Eigentumsübergang muss separat geregelt werden.

Muss ich immer „Incoterms® 2020“ angeben?

Es ist empfehlenswert, neben der Lieferbedingung und dem konkreten Ort auch die verwendete Fassung eindeutig zu benennen, beispielsweise:

FCA Leipzig, Deutschland, Incoterms® 2020

Wo finde ich eine Übersicht über alle Incoterms®?

Eine vollständige Einführung in die verschiedenen Lieferbedingungen finden Sie in unserem separaten Incoterms Ratgeber.

Kann Paket International DAP und DDP abwickeln?

Paket International unterstützt internationale Versandprozesse mit DAP und DDP Logiken und kann Versand, Zollinformationen, Dokumente und mögliche Einfuhrabgaben miteinander verbinden.

Versandkosten und Einfuhrabgaben berechnen